Einmal rundrum - 360 Grad-Verträge und Selfmade-Bands

Madonna ist immer vorne mit dabei, wenn’s darum geht, neue Wege zu gehen. Nicht nur bei Stylingfragen und neuen Tanzstilen, sondern auch in Business-Angelegenheiten. Vor ein paar Monaten hat sie ihre Plattenfirma Warner sitzen lassen – nach 25 Jahren, und einen Vertrag bei Live Nation unterschrieben – einer Konzert- und Veranstaltungsagentur. Die kümmern sich jetzt um alles: Merchandise, Tourneeplanung, Management, Promotion, Lizenzen und CD-Produktion. Als so genanntes „360-Grad-Modell“ schlug der Coup in der Musikindustrie ein wie eine Bombe. Madonna setzte ein Zeichen und ist mal wieder Vorbotin für einen Trend. Der Vorteil: Alles kommt jetzt aus einer Hand. Keine komplizierten Kommunikationswege mehr. Die amerikanische Newcomer-Band One Republic findet das auch attraktiv: "If there is a trust, if there is a collaboration, it can actually be better, because everyone knows what they’re doing. There’s no communication breakdown whereas if you have a lot of different companies and they are all trying to make their money and they’re all trying to communicate, there is gonna be a breakdown and is not gonna work very well.”  

Der Vorteil für die Plattenfirmen: sie verdienen am ganzen Kuchen mit und nicht nur an einem kleinen Happen wie dem CD-Verkauf. Der geht nach wie vor Jahr für Jahr um 5 bis 10 Prozent zurück.

 Für noch nicht etablierte und junge Band können 360-Grad-Verträge auch eine Chance sein- One Republic wären auf jeden Fall nicht abgeneigt: "Right now, we are a young band, and we need help, we need the help of other companies to get us out there and help us make the best out of our business.”  

Der Vorteil eines Rundum-Wohlfühl-Paketes: Bands stehen weniger unter Druck, CDs verkaufen zu müssen, weil die Plattenfirma zum Beispiel auch an den Konzerten verdient. Und mit den Live-Gigs lässt sich am meisten verdienen. 

 Der Nachteil der Allround-Deals: die Künstler haben noch weniger Mitspracherecht, wenn alles von einem Unternehmen diktiert wird. 360 Grad ist aber ein Trend. Das Bochumer Label Gun Records hat zum Beispiel gerade einen Rundum-Vertrag mit den Newcomern Kim abgeschlossen. Und Sony oder Universal wollen keine klassischen Plattenlabel mehr sein, sondern Entertainment-Firmen, die Musik nicht nur veröffentlichen, sondern auch vertreiben, ihre Künstler sponsorn und sie auf Tournee schicken.

http://www.universal-music.de/inhalt/musik/

http://www.sonybmg.de/

http://www.gunrecords.de/suso/index.html

http://www.presseportal.de/pm/64726/1066642/live_nation

Viele Bands haben eigene Strategien entwickelt. Einige gehen den klassischen Weg vom Proberaum übers Demo bis zu einem Vertrag mit einem Label.

Samavayo aus Berlin z. B. Seit acht Jahren machen sie Gitarrenrock, haben diverse Tonträger selbst produziert gespielt, gespielt, gespielt - letztes Jahr sogar 80 Konzerte, auch im Ausland - alles selbst organisiert. Jetzt ist ihre neue EP erschienen - zum ersten Mal ganz professionell im Studio produziert, bei einem kleinen Independent-Label.

http://www.samavayo.com/

http://www.myspace.com/samavayo

Die Berliner Elektro-Punk-Pop-Trash-Band Bonaparte hat dagegen überhaupt keine Lust mehr auf das klassische Musikbusiness. Sie machen ihr eigenes Ding und sind durch viele, viele Gigs in der Berliner Partyszene zu lokaler Berühmtheit aufgestiegen. Ihr Album "Too much" vertreiben sie nur digital über iTunes. Ein Label haben und wollen sie nicht. Sie machen alles selbst.

http://www.myspace.com/findingbonaparte

 

geschrieben von Radiofritzen_FRITZ am 20.03.2008, 03:22 Uhr